Weltmarktführer, Mittagstisch und ein junger Torschütze

Der Tourtag beginnt mit einer Werksbesichtigung im Duisburger Nordosten. „Entschuldigung, dass ich alle immer wieder aufhalte. Ich muss hinter die Kulissen gucken. Das bringt mir am meisten etwas“, so Hannelore Kraft, als sie in der Halle des Weltmarktführers für industrielle Messtechnik stehen bleibt. Sie sucht das Gespräch mit einem Mechaniker. Seit 30 Jahren ist er im Betrieb und kann sich nicht beschweren: „Es ist eine interessante Arbeit – mit geregelten Zeiten.“

Ein besonderes Unternehmen im Duisburger Norden

Er ist einer von 3.500 Mitarbeitern. Bereits 1921 gegründet, befindet sich das Unternehmen, in dem er arbeitet, immer noch im Familienbesitz. In den letzten Jahren sind über 200 neue Beschäftigte dazugekommen. Das Unternehmen bildet kontinuierlich 30 junge Menschen unter anderem in den  Bereichen Elektrotechnik und Fachinformatik aus. Ein gutes Vorbild, so findet auch Kraft: „Das ist kein gewöhnliches Unternehmen.“

Geschäftsführung, Betriebsrat, Jugendvertreter – zum Ende des Termins wird diskutiert. Neben Hannelore Kraft nehmen auch Oberbürgermeister  Sören Link sowie die Landtagskandidaten Ralf Jäger und Sarah Philipp teil. Es geht um Digitalisierung, „Arbeitswelt 4.0“ und die örtliche Infrastruktur. Die Busanbindung müsse besser werden. Dafür soll nun das Gespräch mit den Verkehrsbetrieben geführt werden.

Fragen & Fotowünsche, als Hannelore von Tisch zu Tisch geht

Nächster Termin der Tagestour: Eine Dialogveranstaltung mit 500 Bürgerinnen und Bürger in Wesel. „Ein Mittag mit Hannelore Kraft“ heißt es in der dortigen Niederrheinhalle. SIe als Mittagsgast spricht zunächst über das, was sie für Nordrhein-Westfalen nach der Wahl vor hat: „Wir können Wandel und davon werden wir noch sehr viel brauchen. Die Zukunft liegt nicht mehr in unseren Bodenschätzen, sondern in den Köpfen unserer Kinder“. Die Zuhörerinnen und Zuhörer – unter ihnen Bürgermeisterin Ulrike Westkamp und Landtagskandidat Norbert Meesters – lauschen gespannt, wie Hannelore Kraft ihren Plan für NRW vorstellt.

„Glauben Sie nicht denen, die jetzt wieder große Steuersenkungen versprechen.“

„Kein Kind zurücklassen“ war und bleibt ihre zentrale Leitlinie. Beim gleichnamigen Projekt der Landesregierung machen bereits 40 Kommunen in ganz NRW mit und bis 2020 können alle weiteren interessierten Kommunen teilnehmen. Alle Kinder sollen unabhängig vom Geldbeutel ihrer Eltern die gleichen Chancen auf ein gutes Aufwachsen, auf Bildung und auf gesellschaftliche Teilhabe haben. Der Kinderschutzbund sieht nun erste Erfolge bei dem auf Dauer angelegten Projekt. Die SPD-Spitzenkandidatin sagt, es gehe darum, aus diesen Entwicklungen zu lernen und sie in der Fläche umzusetzen. Dies sei aber auch mit harter politscher Arbeit und Stehvermögen verbunden.

Danach bewegt sie sich in der Halle von Tisch zu Tisch und geht auf die vielen Fragen und Fotowünsche ein. Die Ärzteversorgung auf dem Land, die Arbeitsbedingungen in der Altenpflege oder die Sanierung von Straßen interessieren die Weselerinnen und Weseler. Kraft macht vor der Wahl keine Versprechungen, die sie nicht halten kann: „Wenn ich noch mehr Geld hätte, würde ich auch noch mehr investieren. Glauben Sie nicht denen, die jetzt wieder große Steuersenkungen versprechen. Denn wenn die kommen, muss es irgendwo anders teurer werden.“ Der direkte Dialog ist für sie unverzichtbar. Hannelore Kraft weiß:  Ohne das Gespräch merkt man nicht, ob man richtig liegt mit dem, was man politisch anfasst.

Nächste Etappe: Ein 5-Jähriger als Dolmetscher

Nach den Besuchen in Duisburg und Wesel geht es auf zur nächsten Tagesetappe nach Mönchengladbach. In der Begegnungsstätte der Flüchtlingshilfe Römerbrunnen warten nicht nur die Landtagskandidaten Angela Tillmann und Hans-Willi Körfges, sondern auch der fünfjährige Laban. Seit ein paar Monaten wohnt der Junge aus Nigeria mit seiner Familie in Mönchengladbach, spielt beim VfL Giesenkirchen und spricht bereits sehr gut Deutsch. „Ich habe gestern ein Tor geschossen“, erzählt er stolz.

Hannelore Kraft mit Angela Tillmann und Hans-Willi Körfges in der Begegnungsstätte der Flüchtlingshilfe Römerbrunnen

Sozialarbeiter Tony Trapp schildert, dass die Kinder bei der sprachlichen Integration eine große Unterstützung seien: „Kinder können die neue Sprache einfach noch schneller lernen als Erwachsene.“ Sie sind es auch, die beim Gespräch von Hannelore Kraft mit den Eltern helfen. Dank ihrer Übersetzungen erfährt die Spitzenkandidatin vieles aus dem Alltag der geflüchteten Familien. Ein gelernter Aufzugbauer, der vor einigen Monaten von Syrien nach Deutschland geflohen ist, schildert seine Sorgen. Hannelore Kraft spricht ihm Mut zu: „Wir brauchen Sie. Irgendwann möchte ich mit einem Aufzug fahren, den Sie gebaut haben.“.

Die Bewohner haben viele eindrückliche Geschichten zu erzählen. Täglich kümmern sich fünf ehrenamtliche Kräfte um die Anliegen der Bewohnerinnen und Bewohner im Römerbrunnen. Eine Gruppenleiterin des Vereins schildert, dass aufkommende Langeweile ein Problem sei: „Es ist immer wichtig, dass Menschen etwas zu tun haben.“. Im Flüchtlingscafé stellt man sich dieser Herausforderung. Neben Behörden- und Arztgängen sowie Deutsch-Kursen werden Singgruppen, Schwimm- und Nähkurse, Spielangebote für die Kinder und Ausflüge organisiert. Zudem werden gebrauchte Möbel und deren Transport vermittelt.

Dank für die tolle ehrenamtliche Arbeit

Hannelore Kraft weiß, welche besondere Verantwortung die Freiwilligen in der Arbeit mit Geflüchteten übernehmen: „Wir können den Rechtsrahmen klären und Geld zur Verfügung stellen, aber ohne sie würde das nicht funktionieren. Danke.“

Sie reist weiter zum Schlusstermin des Tages in die Wuppertaler Papierfabrik. Gemeinsam mit den Landtagskandidaten Dietmar Bell, Andreas Bialas und Josef Neumann stellt sie sich im Dialogformat „#NRWIR Einsatz vor Ort“ den Fragen mehrerer hundert Bürgerinnen und Bürger. Die zuvor gemachten Erfahrungen bei drei sehr unterschiedlichen, aber aufschlussreichen Begegnungen geben ihr dabei ein sehr gutes Gefühl.