Fachkräfte gesucht – Hannelore Kraft auf Firmenbesuch in Herford

In ländlichen Regionen wirbt die Wirtschaft unermüdlich um Fachkräfte. Das Azubi-Ticket und die gebührenfreie Meister-Ausbildung können dabei helfen.

Wenn Hannelore Kraft im Wahlkampf ein Unternehmen besucht, kommt sie oft nicht allein. So auch an diesem Vormittag in Herford, als sie auf ihrer Tour durch Ostwestfalen-Lippe eine Firma für Gebäude- und Energiemanagement besucht. Außer ihren engsten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und den lokalen Landtagskandidaten begleiten die Landesvorsitzende 30 Journalisten, einige sogar aus Berlin. „So viel Presse auf einmal hatten wir noch nie bei uns, glaube ich“, scherzt der Firmenchef. Für den Mittelständler, der das Unternehmen seit 2008 zusammen mit seinem Vater führt, ist der Besuch von Hannelore Kraft etwas ganz Besonderes. Die Wahlkämpferin hört aufmerksam zu, als sie mit dem Unternehmer und einigen seiner Mitarbeiter in der Kantine zusammensitzt und die Situation der Firma diskutiert. „Diese Treffen sind für mich extrem wichtig, um zu verstehen, wo die Herausforderungen der Wirtschaft liegen und wo wir da als Landesregierung ansetzen können“, sagt Kraft, „denn es sind nicht nur die großen Dax-Konzerne, sondern vor allem auch der Mittelstand, der unsere Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen vorantreibt.“.

„Wir kommen nur sehr schwer an gute Auszubildende“

Bei Besuchen von Mittelständlern kommt immer wieder ein konkretes Thema auf, so auch in Herford: „Wir kommen nur sehr schwer an gute Auszubildende“, erklärt der Firmenchef. Gerade in ländlichen Regionen haben es kleine und mittelgroße Unternehmen schwer, neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden. „Viele wollen nach dem Abitur studieren“, sagt er, „und die, die eine Ausbildung machen wollen, zieht es in die Großstädte an Rhein und Ruhr“.  „Wir kennen das Problem“, antwortet Kraft, „und das bekommen wir nur geändert, wenn wir die Wege in die Ausbildung sozialer gestalten.“.

Hannelore Kraft beim Firmenbesuch in Herford

Deswegen will die SPD ein Azubi-Ticket einführen, mit dem man – analog zum Semesterticket an den Universitäten – im ganzen Land den öffentlichen Nahverkehr nutzen können soll. „Mit der gestiegenen Mobilität werden dann auch die ländlichen Regionen wieder attraktiver“, sagt Kraft. Zudem plane man, günstigen Wohnraum zu schaffen, beispielsweise Wohnheime für Auszubildende – auch hier analog zu Studierenden-Wohnheimen.

„Oft ist auch die Finanzierung der Weiterbildung zum Meister ein Problem“, so die Landesvorsitzende, „aber da wir freien Zugang zu Bildung für alle wollen, werden wir die Gebühren für den Meister abschaffen!“.

Kein Abschluss ohne Anschluss

Gleichzeitig fehlt es einigen jungen Erwachsenen auch an einer entsprechenden Perspektive. „Manch einer will Industriekaufmann werden, hat aber nur eine ungefähre Ahnung davon, was das eigentlich ist“, sagt Kraft. Deswegen soll ein stärkerer Praxisbezug des Abiturs an Berufskollegs dabei helfen, dass Jugendliche früh fit für den Beruf gemacht werden. Dieser Übergang von der Schule in die Arbeitswelt wird durch das Landesprogramm „Kein Abschluss ohne Anschluss“ kontinuierlich verbessert. Hier werden schon während der Schulzeit die Weichen dafür gestellt, dass keine unnötigen Wartezeiten vor Antritt des Ausbildungs- oder Studienplatzes entstehen. „Und in unserer Fachkräfteinitiative werben wir auch für das duale Studium“, konkretisiert Kraft, „weil viele Betriebe auf die Kombination von Master und Meister setzen.“.

Hannelore Kraft besucht die Firma Archimedes

„Wir haben mit der Verbindung von Studium und Praxis auch sehr gute Erfahrungen gemacht“, ergänzt ihr Gastgeber. Sein Unternehmen kooperiere eng mit der Fachhochschule Bielefeld. Es hätte auch schon einige Studierende gegeben, die hier ihre Abschlussarbeit geschrieben hätten. „Und die konnten wir dann auch alle als Mitarbeiter übernehmen“, betont er freudig.