Hannelore Kraft besucht Geflüchtete auf dem Ludwig-Steil-Hof

Der Ludwig-Steil-Hof in Espelkamp kümmert sich nicht nur um ältere Menschen, sondern bietet auch Geflüchteten eine Perspektive. Hannelore Kraft war zu Besuch und hat mit jungen Syrern und den Helfern gesprochen.

Die drei Jugendlichen sind aufgeregt und schüchtern als Hannelore Kraft auf sie zugeht. „Wie geht es euch?“, fragt die SPD-Spitzenkandidatin lächelnd. „Habt ihr denn Kontakt nach Hause?“ Die jungen Flüchtlinge aus Syrien erklären in gebrochenem Deutsch, dass sie mit ihren Familien skypen, so oft es geht. „Was wollt ihr denn mal werden?“, fragt die Spitzenkandidatin noch. Zwei antworten „Automechatroniker“ und einer möchte Zahnarzt werden. „Oh, das ist aber noch ein langer Weg“, prognostiziert Kraft dem Zahnarzt in spe. Der antwortet breit grinsend, dass er das aber schaffen wolle.

370 Schülerinnen und Schüler aus 33 verschiedenen Nationen

Auf ihrer Tour durch Ostwestfalen-Lippe ist Hannelore Kraft an diesem Morgen zu Besuch auf dem Ludwig-Steil-Hof, einer diakonischen Einrichtung in Espelkamp, dem nördlichsten Zipfel von Nordrhein-Westfalen. Hier sind neben einem Internat auch Altenpflege und eine psychosoziale Reha zusammengefasst. Einen Schwerpunkt bilden die Jugendhilfe und die Integrationsarbeit in den Schulen. In den vergangenen Jahren sind viele, vor allem unbegleitete Jugendliche gekommen, die jetzt auf dem Ludwig-Steil-Hof leben und dort zur Schule gehen – derzeit sind es 370 Schülerinnen und Schüler aus 33 verschiedenen Nationen.

„Es ist nicht das erste Mal, dass wir hier eine große Zahl von Flüchtlingen haben“, sagt der Schulsozialarbeiter Thomas Baak, der seit 27 Jahren auf dem Ludwig-Steil-Hof arbeitet. Einst nach dem Zweiten Weltkrieg für die geflüchteten Kinder aus dem Osten gegründet, stand die Einrichtung nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu Beginn der 1990er Jahre erneut vor der Herausforderung, die vielen Flüchtlinge zu integrieren.

Ohne die freiwilligen Helfer würde die Flüchtlingsarbeit nicht funktionieren

„Nur dürfen wir heute nicht die Fehler machen, die wir früher bei der Integration gemacht haben“, sagt Hannelore Kraft bei dem Gang durch die Schule, „deswegen stecken wir dieses Jahr auch 4,2 Milliarden Euro in die Integrationsarbeit.“ Rund die Hälfte komme vor allem den Kommunen direkt zugute, da diese die Integrationsarbeit vor Ort leisten. „Was mir ganz wichtig ist“, sagt Kraft mit Nachdruck, „ist, dass wir dieses Geld nirgendwo anders wegnehmen und es nicht zu Lasten von wem anderes geht.“ Man könne natürlich mit dem Geld die Schulden schneller abbauen, aber es sei wichtiger, dass niemand sich vernachlässigt fühle. „Wofür ich aber so unglaublich dankbar bin und was ich sehr bewundernswert finde, sind die ganzen freiwilligen Helfer, ohne die die Flüchtlingsarbeit nicht funktionieren würde“, so die Landesvorsitzende. Nur weil das Thema nicht mehr so stark in den Medien sei, dürfe man nicht vergessen, dass die vielen Freiwilligen immer noch einen großen Beitrag zur Integrationsarbeit leisten.

Auf dem Weg zurück zum Wahlkampfbus wirkt Kraft nachdenklich. „Mich berührt das immer, wenn man so junge Menschen trifft, die schon so viel Schlimmes erlebt haben und jetzt hier sind, um hier ein neues Leben anzufangen“, sagt sie.